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August 30, 2024

Spektakel

Detox your mind – schweigend auf der Finca


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Ist es nicht ein Widerspruch in sich, einen Beitrag über die „Die schweigende Finca“ gerade in einer Rubrik mit der Überschrift „Spektakel“ erscheinen zu lassen? Für mich ganz und gar nicht, denn meine Frühlingswoche im Februar mit Birgit Hegemann auf der mallorquinischen Finca Son Mola Vell war wirklich spektakulär.

Ein klassischer Berliner Winter – Grau in Grau, spätestens im Januar hatte ich wieder mal das Gefühl, dass ungeachtet meiner großen Liebe zu dieser Stadt die geographische Lage im Nordosten der Republik einfach fies und von Jahr zu Jahr spezieller wird. Dazu fühlte ich mich nach den vielen Indoor-Wochen unbeweglich und lahm. Ich streckte also die Fühler nach etwas aus, das vielleicht die Option mit sich bringen könnte, mich mit neuer Energie und am besten auch mit Sonne aufzuladen. Ich stöberte im Internet, liebäugelte mit einem Städte-Trip nach Lissabon, tendierte dann wieder in Richtung Madeira, konnte mir das eine wie das andere gut vorstellen. Wie immer inspizierte ich auch sehr genau die Angebote von „Neue Wege Reisen“ – www.neuewege.com – das war für mich schon einige Male die Nummer sicher, wenn es um Alleinreisen im yogischen Kontext geht. Ich gebe es zu, Mallorca war bislang eher selten in der Top-Ten meiner absoluten Lieblingsurlaubsorte, aber genau dort sprang mich die Headline des Retreats geradezu an: 

Oh ja, ein Detox für meinen winterlich negativen Mind, dazu das Zauberwort Mandelbüte, Yoga soft und mir eher unbekanntes Qi Gong – das klang nach der perfekten Mischung. Und das Allerbeste – diese Reise war ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk nur für mich. Was ich im Grunde erst beim zweiten Hinsehen bemerkte, das war die Tatsache, dass zur basischen Kost auch gleich noch mehrere Tage geschwiegen werden sollte. 

Okeee, na dann, kann ja auch mal ganz entspannend sein. In jedem Fall hatte ich ja wie immer auf Reisen meinen Rechner und einige Bücher (Thema Lebensmittel …) dabei, bin mir ohnehin oft selbst genug und nicht immer so scharf auf ganz viele neue Lebensgeschichten im Schnelldurchlauf. Also dann wird halt mal geschwiegen, Hauptsache Sonne, Flow und Bewegung. Eine neue Erfahrung für mich, offen bleiben für Unbekanntes – so würde ich mich ja ohnehin gern sehen, zumindest in der Theorie. Und damit ich jederzeit ausbüxen kann, wenn mir die schweigende Gruppendynamik dann doch too much wird, habe ich mir schnell noch einen kleinen Fiat gebucht, war also bestens gewappnet. 

Auf dem Weg zur Finca, die zwischen Manacor und Felanitx sehr idyllisch im „Hinterland“ der Ostküste Mallorcas gelegen ist – machte ich erst einmal kurz Halt in Llucmajor, setzte mich auf den schönen Platz in ein Café und kaufte – just in case – für die langen und stillen Abende in meinem Zimmer eine Flasche Vino tinto, man weiß ja nie … könnte ja auch sein, dass ich gar nicht alleine aus der Finca heraus darf, und der Kräutertee, den ich natürlich auch eingepackt hatte, könnte auf Dauer doch fad werden.

ANGEKOMMEN AUF DER FINCA SON MOLA VELL

Was soll ich sagen: Ich kam am Nachmittag an und war vom ersten Moment an begeistert von dem Anwesen, eine sehr geschmackvolle Mischung aus mallorquinischem Finca-Stil und asiatischen Details, beides ergänzt sich zudem in diesem wunderschön angelegten, satt grünen Garten perfekt. Neugierig erkundete ich auch gleich mal den großen Yoga-Raum, der den Blick auf den Pool freigab, der wiederum „schaute“ auf eine Ebene, in der ich gleich die ersten blühenden Mandelbäume sehen konnte. Also alles richtig gemacht! Rechts davon gab es ein hölzernes Plateau für die Outdoor-Einheiten, dazu über den gesamten Garten verteilt kleine Rückzugsorte, mal mit Tisch und Stuhl, dann wieder mit einer Liege oder einer Hängematte. Hier lässt sich Schweigen extrem gut aushalten, dachte ich sofort. 

„alles kann – nichts muss“ – mein persönliches Mantra der Woche

Wir waren die erste Gruppe von ca. 15 Frauen und sogar einem Mann, die hier die Saison mit dem Finca-Team, Birgit Hegemann und ihrer Tochter Katharina, die Managerin von Neue Wege Reisen, eröffnete. Ein kleines, extrem herzliches Team sorgte zudem dafür, dass für alles gesorgt war, selbst „ohne Worte“ ist es immer gelungen, die Wünsche von uns Gästen zu erfüllen. Aber zurück auf die Matte: Ich bin nicht ganz unerfahren im Yoga, zuweilen wahrscheinlich auch ein bisschen anspruchsvoll, mag es zum Beispiel nicht, wenn etwas sehr stereotyp ist, der Non-Stopp-Sonnengruß die gesamte Choreographie dominiert. Daher habe ich noch heute – nach immerhin einem halben Jahr – sehr gut im Gedächtnis, dass Birgit eine wirklich besondere Lehrerin ist, die eine perfekte Mixtur aus Asanas, aber auch anderen Bewegungen und meditativen Angeboten in ihrem „Portfolio“ hat. Dazu hat sie ein so gute Stimme und verwendet intuitiv die richtigen Worte, dass es wirklich möglich ist, sich auf ihre angeleitete Meditation einzulassen und das Außen komplett auszublenden. Immer wieder habe ich einige der Sätze notiert, die mir an keiner Stelle – wie so oft in Yoga-Stunden in den diversen Studios – aufgesetzt oder banal erschienen. Birgit lebt und ist das, was sie unterrichtet, eine authentische und intensive Erfahrung. http://www.birgit-hegemann-heilpraktikerin.de 

Meine Matte „with view“

Es gab für mich auch völlig neue Einsprengsel – so der „Energy Shake“ zum Aufwachen am Morgen, mein persönliches Highlight. Qi Gong, glaubte ich, ist wahrscheinlich nicht unbedingt mein Ding, aber von wegen. Es gab am Morgen sehr angenehm fließende und unaufgeregte Übungen, die auch ohne Vorkenntnis beinahe mühelos ausgeführt werden konnten. Am Nachmittag gab es dann die zweite etwas akrobatischere Yoga-Session des Tages, eine gute Mischung aus Anspannung, Konzentration und Entspannung. Und ja, das war ohnehin das Besondere in dieser Woche – der übliche Spruch „ganz bei sich und auf der eigenen Matte zu bleiben“ – der musste hier weder morgens noch abends fallen, denn so etwas wie Konkurrenz, weil die eine oder andere schon eine „advanced Yogini“ war, kam zu keiner Zeit auf. Gleichzeitig aber ein sehr schnelles Gruppengefühl, in Windeseile waren am ersten Abend die wesentlichen biografischen Details ausgetauscht, bevor das große Schweigen begann. 

Tagsüber – selbst als wir eine Wanderung entlang der wunderschönen Cala Virgili gemeinsam unternommen haben – war die Wortlosigkeit und Stille wirklich angenehm und kontemplativ. Ja, es ist so, dass sich die Schönheit der Umgebung auf diese Art weitaus besser einprägt als im üblichen Modus des pausenlosen „Ist das schön!“-Kommentierens der Landschaft. Nicht mein absolutes Highlight ist sicherlich das „sprachlose, basische Dinner“, aber auch das ist Geschmacksache. Ich zog mich dann relativ schnell zu meinen Büchern zurück, schrieb aber auch die eine oder andere „Tageserkenntnis“ in mein Journal. Die Tatsache, dass in meinem Zimmer das WLAN zu schwach zum Mailen oder Streamen, SMSen oder auf Insta-unterwegs-Sein war – all das war für jemanden wie mich wahrscheinlich genau richtig und führte dazu, dass ich mich von Tag zu Tag wirklich ein wenig mehr „detoxed in mind“ fühlte. 

Dazu gab es zahlreiche Angebote, die über Yoga- und Qi Gong hinausgingen, Massagen und Kosmetik, aber auch Ausflüge in die Umgebung. Oder Mantren-Singen am Abend, nicht so ganz meine Abteilung, aber auch das ist ok, denn niemals bekam ich das Gefühl vermittelt, das geht jetzt gar nicht, dass ich mal wieder mein eigenes Ding mache. An den letzten beiden Tagen der Woche wurde auch wieder kommuniziert, aber tatsächlich haben wir zu Beginn des aufgehobenen Schweigens instinktiv nicht jede oberflächliche Info in Worte gefasst und wahrscheinlich mehr als sonst auf unsere Sprache geachtet.

Birgit blieb nach diesen intensiven Tagen auf der Insel weiterhin mit uns in Kontakt, gab Tipps für das Ankommen zu Hause und die Möglichkeit, an Online-Veranstaltungen, die sie anbietet, teilzunehmen. Nun gibt es bereits den Plan, auch im nächsten Jahr wieder zur Mandelblüte und zum Detoxen auf der Finca zusammenzukommen. Ich kann es absolut empfehlen, denn selten habe ich eine so besondere „Laissez-faire-Atmosphäre“ mit der Option, sich mal wieder richtig aufzuladen, wie hier gespürt. Es gibt im Angebot der Finca übrigens zahlreiche Retreats mit Plauderei, das Schweigen ist auch hier eher die Ausnahme. Und diejenigen, die gerne auch mal etwas auf eigene Faust machen, die mieten sich einfach einen kleinen Flitzer – am besten bereits am Flughafen und verzichten auf den angebotenen Transfer. Allerdings ging es mir immer nach meinen kleinen Trips auf den Markt in Santanyi oder zu Miró (absolut sehenswert!) in Palma so, dass ich glücklich war, wieder auf der Finca anzukommen und diesen wirklich guten Ort zu genießen.


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